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Aus der Natur 06/2021    Urs Kägi

Ein Eldorado für Libellen – Drei neu angelegte Tümpel im Chis beherbergen viele Arten.

Beim der künstlichen Uferschwalben-Brutwand im «Chis» ganz im Norden von Zeiningen wurden als zusätzliche Aufwertungsmassnahmen Brachflächen und drei Tümpel angelegt. Innert kürzester Zeit stellte sich eine grosse Insektenvielfalt ein. Insbesondere zahlreiche Libellenarten haben die Gewässer in Beschlag genommen. 2021 war bis dato nicht unbedingt ein gutes Jahr, für die Beobachtung von Libellen. Um auf «Betriebstemperatur» zu kommen sind die fliegenden Akrobaten auf Sonnenschein und somit Wärme angewiesen. Bekanntlich gab es bis dato diesen Sommer nicht viele Tage, an denen diese Bedingungen erfüllt waren. Libellen gab es schon in der Urzeit. Die bisher grösste gefundene, versteinerte Urlibelle hatte eine Flügelspannweite von sage und schreibe 70 cm. Heute sind sie um ein vielfaches kleiner. Libellen verbringen den grössten Teil ihres Lebens als Larve im Wasser. Einmal geschlüpft, fliegen sie zwei bis drei Monate. In dieser Zeit paaren sie sich, legen die Eier ab und sterben dann. Nur die zwei in Europa vorkommenden Winterlibellen-Arten sind in der Lage, als Insekt zu überwintern. Stichwort Insekt: Libellen sind nicht nur Insekten, sie fressen auch solche. Mücken, Fliegen etc. werden mit den hochauflösenden Augen präzise geortet und blitzschnell gepackt. In den letzten drei Wochen gab es doch ab und an gute Bedingungen für die «fliegenden Edelsteine». Und so herrschte an den Tümpeln im «Chis» emsiges Treiben. Insgesamt vierzehn Arten konnten beobachtet werden. Als Besonderheit sei hier die Glänzende Binsenjungfer erwähnt. Sie ist, im Gegensatz zu der Gemeinen Binsenjungfer, sehr selten in der Schweiz. Die Uferschwalben dagegen haben ihre Brutstätte verlassen bis auf ein einziges Paar. Es zog in den letzten Tagen noch einen Nachzügler hoch. Auch dieser ist mittlerweile ausgeflogen. Alle Bilder stammen aus dem Gebiet «Chis». 










Aus der Natur 05/2021    Urs Kägi

Der Trauerschnäpper – Ein Meister der Insektenjagd. Erst selten, dann häufig, jetzt teilweise wieder im Rückgang.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt der Trauerschnäpper in der Schweiz als recht seltener Brutvogel. Danach setzte eine starke Zunahme ein, die unter anderem durch das Aufhängen von Nistkästen begünstigt wurde. Inzwischen sind die Bestände jedoch wieder rückläufig. Der Trauerschnäpper ist ein ausgesprochener Zugvogel. Die Vögel treffen ab Mitte April in den Brutrevieren ein und schreiten im Mai / Juni zur Brut. Besiedelt werden Laub und Mischwälder, Obstgärten und parkartige Landschaften.

Das Männchen ist mit seinem schwarz-weissen Federkleid sehr auffallend. Das Weibchen dagegen hält in dezentem Grau. Trauerschnäpper sind reine Insektenfresser. Diese erhaschen sie meist geschickt von erhöhter Warte aus im Flug. Die älteren Männchen kommen meist vor den jüngeren und den Weibchen an und besetzen anfänglich oft mehrere Nistplätze. Mit ihrem unermüdlich vorgetragenen Gesang markieren sie ihren Anspruch auf diese. Das Weibchen wählt ein Männchen mit einer Nisthöhle aus, wobei die Qualität des Brutplatzes entscheidend ist. Viele Männchen versuchen in einem zweiten Revier, ein weiteres Weibchen anzulocken. In den Lagen unterhalb von 700m hat der Brutbestand des Trauerschnäppers in den letzten zwanzig Jahren stark abgenommen. Dagegen ist Gebieten darüber eine Zunahme zu verzeichnen. Wegen der Klimaerwärmung ist die Brutzeit beim Langstreckenzieher Trauerschnäpper trotz Anpassungen (zeitigere Rückkehr, früherer Brutbeginn) nicht mehr genau auf die höchste Nahrungsverfügbarkeit abgestimmt. Ausserdem sind die geeigneten Nisthöhlen je länger je früher von Meisen besetzt. Die Entwicklungen in Europa und den verschiedenen Höhenstufen der Schweiz stimmen mit Voraussagen aus Klimaszenarien überein. Diesen Frühling gab es in Zeiningen mindestens zwei Bruten des schönen Vogels. Beide fanden im Gebiet «Leim» in einem Nistkasten statt. Auch der Gartenrotschwanz schritt im gleichen Gebiet zur Brut.

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Aus der Natur 04/2021    Urs Kägi

Der Schwarzspecht – eine imposante Erscheinung. Der Schwarzspecht ist die grösste europäische und weltweit viertgrösste Spechtart.

Der Schwarzspecht ist gross, sehr gross. Er erreicht beinahe die Masse einer Krähe. Sowohl beim Männchen wie auch beim Weibchen präsentiert sich das Gefieder einheitlich schwarz. Das Männchen hat einen roten Scheitel, das Weibchen einen roten Fleck am Hinterkopf. Auffallend bei beiden sind die sehr hellen Augen. Der schöne Vogel bewohnt Wälder vom Flachland über den Jura bis in die Alpen. Wichtig ist ein gewisser Anteil an Totholz sowie alte und grosse Bäume. In die meisselt der Schwarzspecht mit seinem mächtigen Schnabel grosse Bruthöhlen. Schwarzspechte unterhalten in ihrem Revier mehrere Höhlen. Sie werden nicht nur zum Brüten, sondern auch zum Übernachten gezimmert. Bäume mit Höhlen von Spechten sollten im Wirtschaftswald unbedingt stehen gelassen werden. Insbesondere den Höhlen vom Schwarzspecht kommt eine grosse Bedeutung zu. Werden sie nicht mehr benutzt brüten darin im Flachland zum Beispiel Hohltauben und Dohlen, im Bergwald Rauhfuss- oder Sperlingskauz. Für das Angebot an natürlichen Nisthöhlen für diese Arten spielen Schwarzspechte eine entscheidende Rolle. In Zeiningen finden wir den Schwarzspecht sowohl am Zeininger Berg als auch im Gebiet Berghalden – Schönenberg – Ormis. Die nachfolgenden Bilder stammen aus dem Zeininger Wald von diesem Frühling. Die Jungvögel sind vor wenigen Tagen ausgeflogen. Der Schwarzspecht ist ruffreudig und verfügt über zahlreiche verschiedene Lautäusserungen. Wir unterscheiden u.a. Balzruf, Sitzruf und Flugruf. 

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Aus der Natur 03/2021     Urs Kägi

Der Star - ein Meister der Imitation. Der Einzug der Zugvögel aus Süden ist in vollem Gange. Einige habe bereits mit dem Brutgeschäft begonnen.

Besonders auffällig verhalten sich im Moment die lustigen Gesellen mit ihrem in der Sonne glänzenden Gefieder. Gemeint sind natürlich die Stare. Überall werben die Männchen mit ihrem pfeifenden, schnalzenden und rätschenden Gesang um die Gunst der Weibchen. Das Besondere am Starengesang: Nur die soeben beschriebenen Laute sind ihm angeboren. Den Rest muss er erlernen sprich erst mal zu hören, was andere Vögel so von sich geben und dies dann in den eigenen Gesang einbauen. Und so pfeifen Starenmännchen Laute von Pirol, Rauchschwalbe, Mäusebussard etc. und narren so manchen Beobachter. Selbst Hundegebell oder technische Geräusche werden nachgeahmt. Stare sind Zugvögel und treffen meist im Februar März in unseren Breiten ein. Allerdings kommt es als Folge der milden Winter immer häufiger zu Überwinterungen. Die Jungvögel werden in Baumhöhlen aufgezogen. Auch Nistkästen werden von der Art gerne angenommen. 

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Aus der Natur 02/2021     Urs Kägi

Der Schneesperling - Ein Bewohner des Hochgebirges. Für einmal stellen wir Euch eine Vogelart vor, die weder im heimischen Wald noch im Garten, geschweige denn im Flachland überhaupt zu finden ist. Es handelt sich um den Schneesperling, salopp Schneespatz oder früher Schneefink genannt.

Wir müssen ziemlich in die Höhe, um den Verwandten von Haus- und Feldsperling zu finden. Der Schneesperling brütet in Höhen zwischen 1700 und, man höre und staune, 3500 Metern über Meer. Selbst im Winter, wenn in solchen Lagen eine meterdicke Schneedecke liegt, kommt er selten bis nie tiefer als 1500 Meter über Meer. Vom Wind frei gelegte, apere Stellen bieten ihm Nahrung in Form von allerlei Sämereien. Er profitiert aber auch von Bergrestaurants, wo er von Speiseresten angezogen wird und meist wenig Scheu zeigt. Die besten Chancen, den Schneespatz zu finden und zu beobachten, haben wir somit dort und im Winter. Schneesperlinge sind meist in Gruppen unterwegs. Die gut wärmeisolierten Nester baut der Schneesperling in Felsspalten, unter Dächern von Alphütten und in Skiliftmasten. Wichtig ist die Nähe von alpinen Rasen, wo er während der Schneeschmelze Insektenlarven als Nahrung für die Jungen findet.

Im Flug ist der Vogel sehr auffällig und zeigt viel weiss im Gefieder. Der Schneespatz hat einen grauen Kopf mit zur Brutzeit schwarzem, im Winter gelblichem Schnabel. Die Kehle des Männchens ist schwarz. Die Weibchen sind etwas matter gefärbt. Wie Haus- und Feldspatz ist der Schneesperling ein äusserst agiler und quirliger Vogel und es ist sehr unterhaltsam, ihn zu beobachten. Leider ist in den letzten Jahren in den Alpen ein Rückgang des schönen Vogels dokumentiert. Dabei dürfte auch die Veränderung des Klimas eine Rolle spielen. Noch brüten 6000 – 9000 Paare in der Schweiz. Hoffen wir, dass die noch lange so bleibt.

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Aus der Natur 01/2021     Urs Kägi

Winterfütterung von Vögeln

Ist Vögel füttern im Winter sinnvoll? Eine sachgemässe Zufütterung in Zeiten mit Nahrungsmangel kann gewissen Kleinvögeln im Siedlungsbereich das Überleben erleichtern, vor allem im Winterhalbjahr. Es ist jedoch – ausser bei Dauerfrost und längeren Schneeperioden – aus biologischer Sicht nicht unbedingt notwendig. Allerdings sprechen sich mittlerweile auch namhafte Ornithologen, zum Beispiel Peter Berthold, für eine Fütterung aus und zwar ganzjährig. Tatsache ist: Die Winterfütterung bietet tolle Möglichkeiten diverse Vogelarten gut beobachten zu können. Füttern ist jedoch nicht gleich füttern, sondern will verstanden sein. Alles über eine sachgemässe Winterfütterung ist zu finden unter https://www.birdlife.ch/de/content/vogelfuetterung



Aus der Natur 09/2020     Urs Kägi

Wie schützen sich Vögel vor der Kälte?

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass besonders wenn Temperaturen unter dem Gefrierpunkt herrschen, viele Vögel dick erscheinen? Das rührt nicht vom fressen her, sondern ist ein Merkmal des Kälteschutzes. Bei tiefen Temperaturen plustern Vögel ihr Gefieder auf. Damit entsteht rund um den Körper eine vollkommen ruhige und isolierende Luftschicht. Das Federkleid ist zudem sehr windabweisend. Dieses Verhalten lässt so manchen Vogel im Winter pummelig erscheinen. Immerhin gilt es eine Körpertemperatur von rund 40 Grad aufrecht zu erhalten. Alleine mit isolieren ist es aber nicht getan. Besonders Kleinvögel sind in der kalten Jahreszeit praktisch den ganzen Tag mit fressen beschäftigt. Dabei geht es darum, so viele Fettreserven anzulegen, damit die ganze Nacht davon gezehrt werden kann. Frisst der Vogel tagsüber zu wenig, fällt er in der Nacht irgendwann buchstäblich «vom Stängeli». Fettreserven lagern Vögel im Bereich des Brustbeines unter der Haut an. Bläst man dort das Gefieder zur Seite, ist dieses Fett sichtbar oder eben auch nicht. Sprich man kann sehen, wie gut ein Vogel ernährt ist. Bei der Winterfütterung von Vögel ist es wichtig, einen grossen Anteil fetthaltiges Futter beizumischen. Besonders geeignet dafür sind gehackte Erdnusskerne. Text und Fotos: Urs Kägi 




Aus der Natur 08/2020     Urs Kägi

Ein im Winter singender Vogel

Haben Sie in den letzten Tagen auch da und dort die perlende Strophe eines Vogels vernommen? Haben Sie auch gedacht, das kann nicht sein? Vögel singen doch nur im Frühling! Natürlich ist das so. Doch es gibt einige wenige Ausnahmen. Zu diesen gehört das hübsche Rotkehlchen. Viele Rotkehlchen aus dem Norden sind zum Überwintern in Mitteleuropa. Sie verteidigen ein Nahrungsrevier und singen deshalb - als eine der wenigen Vogelarten auch im Herbst und Winter. Nicht nur das Männchen singt, sondern auch das Weibchen. Kommen sich zwei Rotkehlchen im Winter in die Quere, gibt es ordentlich Krach. Da etliche dieser nordischen Rotkehlchen aus menschenleeren Gegenden kommen hat es immer wieder solche darunter, die sehr zutraulich sind und in uns Menschen keine Gefahr sehen. Rotkehlchen erscheinen im Winter oft und gerne an Futterstellen. Mit Beginn der Brutzeit im Frühling verlassen uns die Wintergäste wieder Richtung Norden. Die bei uns brütenden Rotkehlchen führen dann ein eher verstecktes Leben. 

Gesang des Rotkehlchens


Aus der Natur 07/2020     Urs Kägi

September – Zugzeit vieler Watvögel 

Die meisten Watvögel, auch Limikolen genannt, sind Brutvögel des hohen Nordens und sind bis weit über den Polarkreis in Tundra und Taiga zu Hause. Eine (noch) sehr häufige Limikole ist der Alpenstrandläufer. Sein Name ist ziemlich irreführend. Er kommt weder zur Brutzeit noch auf dem Zug auf Alpen vor. die  etwas irreführende Bezeichnung Alpenstrandläufer ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass deutschsprachige Ornithologen ihn zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem als Brutvogel der lappländischen Alpen kannten. Die meisten Watvögel, darunter auch der Alpenstrandläufer, ziehen den Küsten entlang in ihre Winterquartiere. Sie bilden dabei, insbesondere im Wattenmeer, oft Schwärme mit zehntausenden Exemplaren. Doch auch im Binnenland lassen sich auf dem Zug rastende Limikolen beobachten, wenn auch in viel geringerer Zahl. Wissenschafter befürchten, dass mit den tauenden Permafrostböden im Norden durch den Klimawandel der Alpenstrandläufer und viele weiter Watvögel grosse Flächen an Brutareal verlieren werden.

Die Bilder zeigen einen wenig scheuen Alpenstrandläufer am Ufer des Klingnauer Stausees am 02.09.2020. Der ausgedehnte, schwarze Fleck am Bau verrät ihn als Altvogel. Mit seinem langen Schnabel ertastet der Vogel Nahrung im Schlick. Fotos: Urs Kägi